Das Wollen

•Freitag, 19. September 2008 • 1 Kommentar

Folgender Gedankengang ist eine freie Wiedergabe von Ausführungen des Berliner Theologen Prof Dr. Notger Slenczka, die im Sommersemester 2008 im Rahmen einer Dogmatik-Vorlesung vorgetragen wurden. Dabei erläuterte er Martin Luthers Beschreibung der anthropologische Verfasstheit – konkret zugespitzt auf die Frage des menschlichen Wollens.

Das Wollen des Menschen ist für ihn unverfügbar. Ein Mensch kann sich wünschen, anders zu wollen – aber er kann sein Wollen nicht einfach ändern.

Er kann sein Wollen verdrängen, unterdrücken und ihm bewusst etwas entgegenhalten – aber der Mensch kann nicht verhindern, dass dieses Wollen im Hintergrund stets vorhanden bleibt und jederzeit wieder hervorzubrechen droht.

Die Einsicht, dass der Mensch nichts tun kann, um zu Gott kommen zu wollen, anstatt sich von ihm abzuwenden, ist eine der Grundeinsichten Martin Luthers. Dieses Wollen kann der Mensch nicht “machen” – so sehr er sich auch wünschen mag “anders zu wollen als er derzeit will”. Ein neues verändertes “Wollen zu Gott hin” kann dem Menschen nur durch Gott geschenkt werden – und bleibt daher völlig unverfügbar.

kleine Fehler

•Dienstag, 10. Juni 2008 • 1 Kommentar

Dieses Zitat habe ich irgendwo aufgeschnappt und es bringt einen Gedanken, der mir schon oft kam, wunderbar zum Ausdruck:

Kleine Fehler geben wir gerne zu, um den Eindruck zu erwecken, dass wir keine großen haben.

Miteinander reden!

•Samstag, 24. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Ein Gedanke – kurz, banal und doch zentral. Ein Gedanke, der so nach “Ich-Wünsche-Mir-Weltfrieden” klingt, dass ich mich kaum mehr traue, ihn niederzuschreiben; und dennoch tue ich es.

Veranlasst durch etliche Diskussionen rund um das diesjärige Christival habe ich mir die Frage gestellt: Warum redet man so viel übereinenader und so wenig miteinander? Wie gesagt – ich habe diese Platitüde schon angekündigt.

Mein Eindruck ist, dass eine Fülle von Missverständnissen über die Evangelikalen in Deutschland besteht. Und es scheint es mir, dass von evangelikaler Seite aus nicht versucht wird, diese Missverständnisse in einem sachlichen Dialog mit Andersdenkenden zu thematisieren und aufzuarbeiten. Stattdessen richtet man sich an “seine eigenen Leute” und vermittelt: “Jetzt ist die Situation, um Farbe zu bekennen! Wir dürfen nicht zulassen, dass der Glaube weiter in die Ecke gedrängt wird.”

Doch damit werden die Fronten weiter verhärtet, Vorurteile weiter bestätigt. Der folgende Gedanke ist wieder so banal, dass man mich fast schon dafür strafen müsste – und dennoch scheint er mir hier leider seine Berechtigung zu haben: Ist es nicht erschreckend und traurig zugleich, dass Vorteile gegenüber Christen dazu führen, dass diese sich noch klischeehafter verhalten – nach dem Motto “jetzt erst recht”?

Meint Gott, was er sagt?

•Donnerstag, 8. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Der Mensch kann mit seinem Willen Gottes Vorsatz nicht vereiteln. Gott befielt Dinge, die wir gar nicht tun können, damit wir begreifen, dass wir es von ihm erbitten müssen.”

Wenn ich so argumentiere, kann ich auch sagen: “Gott gibt uns zwar den Eindruck, dass wir etwas erbitten müssen, damit wir merken, dass wir es nicht bekommen – und wenn wir bemerkt haben, dass wir nichts bekommen, begreifen wir, dass wir es letztendlich doch selber tun müssen.”

Damit haben wir uns einmal schön im Kreis gedreht. Aber es ist argumentativ ganz einfach möglich, wenn man einmal die Prämisse gelten lässt, dass Gott nicht meint, was er sagt, sondern das eine sagt, um damit das andere zu bewirken.

sicher wissen

•Mittwoch, 7. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Wann kann ich behaupten, etwas sicher zu wissen? Wie lange muss ich mich dafür mit einem Thema beschäftigt haben? Wie viele der unerschöpflichen Wissensquellen muss ich kennen und verstanden haben?

Und wie oft versuchen Menschen, durch ihr Auftreten Wissen vorzutäuschen?

Wahres Glück

•Samstag, 3. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Wahres Glück ist Freiheit von inneren und äußeren Zwängen.

Ist das Alte Testament symbolisch gemeint? (Teil 3)

•Samstag, 3. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Und zu guter letzt habe ich eine sehr unvollständige eigene Einschätzung abgegeben:

Meine Postion zu dem Thema … ist eine nachdenkliche. Ohne Frage ist vieles an Zusammenhängen zwischen dem Alten Testemant und dem Alten Orient tatsächlich vorhanden.

Nur wie sind die Zusammenhänge? Hat Israel und seine Religion nun eine Sonderstellung oder entwickelt sich das alles “evolutionär” heraus?

Wir sprechen über eine zeitliche Kluft von 2500+ Jahren. Wir haben wenige Zeugnisse über diese Zeit. Daher ist es schwer, die oben angesprochenen historischen Situationen und Zusammenhänge zutreffend zu rekonstruieren.

Angesichts einer solch (ärchäolgisch) dünnen Basis sollte man doch nicht den wenigen Texte, die über diese Zeit berichten (= das AT), grundsätzlich misstrauen. Da sägt man sich den Ast ab, auf dem man sitzt.

Dies zeigt sich nicht zuetzt in dem Wust von sich widerstreitenden Meinungen von liberalen Alttestementlern.

Auch wenn so manches an Fragen offen bleibt und einige der Anfragen der liberalen alttestamentlichen Forschung durchaus ihre Berechtigung haben (denn so manches im AT ist uns heute nicht mehr so leicht zugänglich): Ich halte im Zweifelsfall an dem fest, was die das AT über die Geschichte Israels sagt – trotz aller vielleicht bestehnden (intellektuelen) Spannungen.

Ist das Alte Testament symbolisch gemeint? (Teil 2)

•Samstag, 3. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Nachdem ich das, was im 1. Teil des Posts steht geantwortet hatte, bekam ich folgende Rückfrage:

“Ich habe jetzt nur ein Problem: Wenn ich das AT eher symbolisch interpretiere, dann bin ich ganz schnell an dem Punkt, wo ich alle Stellen der Bibel, die mir nicht gefallen, ebenfalls symbolisch interpretiere, zumal sich das NT ja auch recht oft aufs AT bezieht.”

Auch hier wieder mein Antwortversuch:

Das ganze AT symbolisch zu interpretieren ist ein sehr radikaler Ansatz, den die wenigsten so durchziehen. Meist sieht der Zugang zum AT in der heutigen Forschung ungefähr so aus: Man muss zwischen historischen Tatsachen und Fiktion der aus dem Exil zurückgekehrten Juden trennen. In dem Sinne ist es keine willkürliche symbolische Auslegung des AT. Vielmehr ist es eine “Entfiktionalisierung” und “Entmythologisierung” die stattfindet. Man versucht bei allen Texten des AT den archäologisch belegbaren Kern herauszufinden – undzwar meist nach sehr komplizierten Methoden.

Die meisten liberalen AT-Forscher würden sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, dass man das AT nur symbolisch verstehen sollte. Sie würden sagen: Man muss erkennen, was Fiktion ist und in welcher Situaution diese Fiktion aus welchen Gründen von den Juden geschaffen wurde. Erst dann hat man den richtigen Zugang zum AT.

Dementsprechend kann man auch in diesem Ansatz nicht nach Belieben die Stellen als “symbolisch” einordnen, die einam nicht so passen.

Ist das Alte Testament symbolisch gemeint? (Teil1)

•Samstag, 3. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Ich bekam einmal diese These und sollte dazu Stellung nehmen:

Das AT ist eher symbolisch gemeint und es ist letztendlich egal, ob das, was da steht, wirklich passiert ist. Die eigentliche Hauptsache ist das theologische Prinzip (d.h. das, was Gott Seinem Volk/uns damit verdeutlichen will) dahinter.”

Hier der Versuch meiner Antwort. Ich möchte in zwei Schritten darauf reagieren.

1. Schritt: Ich werde mich kurz dazu äußern, wie die heutige liberale alttestamentliche Wissenschaft an das AT herangeht (natürlich nur sehr unvollständig).

2. Schritt: Ich werde mal eine modifizierte Form deiner These vertrete; unter Berücksichtigung der Zugänge zum AT, die ich im 1. Schritt skizziert habe.


1. Schritt
In der alttestamtlichen Forschung tut man sich schwer damit, die Geschichtlichkeit bestimmter Texte anzunehmen – und das nicht ganz ohne Grund!

Grund 1: Parallelen in den religiösen Motiven
Es gibt bei vielen altorientalischen Völkern Göttererzählungen, die den Darstellungen des Gottes des Alten Testaments in gewisser Hinsicht ähnlich sind.

So taucht auch in diesen Mythen der Göttervater „El“ und „Jahwe“ auf. Unter anderem ist Jahwes Frau ist die „Aschera“. Es gibt Darstellungen des Wettergottes Baal, die den Darstellungen Jahwe in manchen Psalmen sehr ähnlich sind.

Aus diesen Parallelen schließt man dann, dass der israelitische Monotheismus, sich langsam, Schritt für Schritt aus dem Polytheismus des alten Orients entwickelt hätte. Zunächst sei es zu einer Monolatrie (exklusive Verehrung eines Gottes im gleichzeitigen Bewusstsein, dass es viele Götter gibt) Jahwes gekommen. Dann in einem letzten Schritt zum Monotheismus.

Hat man einmal diese Grundentscheidung getroffen, dass sich die Religion Israels nicht sprunghaft durch eine Offenbarung Gottes, sondern prozesshaft entwickelt hat, kommt man aus diesem Erklärungsmuster nicht mehr hinaus.

Das klassisch-evangelikale Erklärungsmodell ist genau anders herum: Man nimmt an, dass es von Anfang an einen Monotheismus gab, der dann durch Götzendienst entartete. So erklären sich dann Vermischungen von alttestamentlichen und heidnischen Göttervorstellungen. Auch aus diesem Deutungsmodell kommt man nicht mehr heraus, wenn man einmal die gedankliche Grundentscheidung getroffen hat.

Beide Modelle müssen die archäologischen Befunde und biblischen Darstellungen in ihre Sichtweise einordnen.

Grund 2: Archäologische Lücken
Eine Zweite Schiene, über die Zweifel an der Geschichtlichkeit kommen, ist, dass man viele Angaben aus dem Alten Testament archäologisch nicht belegen kann.

In der heutigen liberalen alttestamentlichen Forschung wird aus diesem Fehlen der archäologischen Zeugnisse heraus sofort die biblische Darstellung angezweifelt.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Frage, ob es im 10. und 9. Jh. v.Chr. tatsächlich ein judäisches Großreich im Süden Palästinas und David uns Salomo gab. Nach biblischer Darstellung: Eindeutig ja. In der archäologischen Forschung ist auf diesem Gebiet ein gewisser Israel Finkelstein der führende Forscher. Seine Auswertungen von Ausgrabungen und Schlussfolgerungen werden größtenteils übernommen. Und er kommt zu dem Schluss, dass es keine Belege für ein solches Großreich zu dieser Zeit gibt. Im 10. und 9. Jh. habe es nur kleine Dörfer mit einer Gesamtbevölkerung von einigen Tausend Menschen in Juda gegeben. Also sei dieses Großreich unter Davis nichts als eine literarische Fiktion aus jüngerer Zeit (nach der Rückkehr der Israeliten aus dem babylonischen Exil).

Ob Finkelstein nun recht hat oder nicht würde diesen Rahmen hier sprengen und meine Kompetenzen bei weitem überschreiten. Aber eines ist wichtig: Fast alle Alttestamentler beziehen sich auf Finkelstein und seine Thesen. Das zeigt: Es reicht, das ein (oder einige Forscher) etwas halbwegs schlüssig darlegen und schon ist man bereit den ganzen biblischen Befund einfach durchzustreichen.

Man ist grundsätzlich sofort bereit, das in der Bibel zu verneinen, was man nicht belegen kann und nur das stehen zu lassen, für das man archäologische Belege findet.

Alles, was man nicht belegen kann wird wie folgt erklärt: Es ist eine Umschreibung und Ausschmückung der jüdischen Geschichte – verfasst von Juden, die aus dem Exil zurückkamen. Zweck: Man wollte dem Volk eine neue herrliche Identität geben und den Monotheismus Jahwes etablieren.


2. Schritt
So nun habe ich einen weiten Bogen gespannt, mit dem ich zeigen wollte, warum man heute das AT oft nicht mehr als Geschichtsbuch ansieht. Vieles sei eben nur jüdische nachexilische Phantasie (Grund 2). Und vieles ist eben auch gar nicht so einzigartig, wie es in der Bibel immer steht, Jahwe war ursprünglich im alten Orient auch nur ein Gott unter vielen (Grund 1).

Jetzt kann ich endlich zu deiner Ausgangfrage kommen: Wenn wir die eben beschriebenem Schlussfolgerungen zum AT treffen, was bleibt uns dann noch übrig? Welchen Zugang zum AT können wir überhaupt noch finden?

Ich will es mal versuchen – so könnte es ungefähr klingen. „Das AT stellt nicht die tatsächliche Geschichte Gottes mit seinem Volk dar. Aber wir können trotzdem viel daraus für uns lernen. Es zeigt uns, wie sich die Juden nach dem Leid und der Demütigung im babylonischen Exil einem Gott zuwandten und nur noch ihm treu sein wollten. Dies taten sie, indem sie die Geschichte umschrieben: Sie erfanden bessere Zeiten (z.B. Davids Reich), um ihrer Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass Jahwe ihnen jetzt solche Zeiten schenken könnte. Dieses Umschreiben der Israelitischen Geschichte ist ein großes Zeichen des Glaubens der zurückgekehrten Juden an den einen Gott.
Dieses Vertrauen und dieser Glaube an das künftige Handeln Gottes ist es, was uns z.B. die Geschichte vom Großreich David zeigen soll: Diese literarische Funktion zeigt und, wie viel die Israeliten Jahwe zutrauten.
In diesem Sinne sind viele wundersame und herrliche Erzählungen aus dem AT ein für und heute hilfreiches Symbol für Glauben. Es verdeutlicht uns das theologische Prinzip einer festen Hoffnung an den einen Gott.”

Gott als Kriegsherr?

•Freitag, 2. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Wenn der Krieg nicht in die ursprüngliche Schöpfungsordnung Gottes gehört, sondern erst mit dem Sündenfall in die Welt kam, ergibt sich für mich ein denkerisches Problem: Wieso schildert sich Gott selber als „Kriegsherr“. Wie kann sich Gott in einer solchen durch den Sündenfall verursachten Konfliktform des Bösen darstellen?

Ich kenne das Prinzip, dass Gott sich in anthropomorpher Redeweise darstellt, weil wir Menschen ihn sonst nicht fassen könnten. Aber das hier geht einen Schritt weiter: Die Analogie des Kriegsherrs ist keine „neutrale Schöpfungsordnung Gottes“, sondern eine durch den Sündenfall verderbte. Krieg ist immer etwas Negatives – und auch wenn deutlich wird, dass Gottes Kriege einen berechtigten Anlass haben, dann bleibt dennoch die Tatsache, dass die konkrete Kriegshandlung nie genau nach Gottes Willen verlaufen ist, sondern dass dabei immer auch Unbeteiligte werden leiden müssen. Wie kann sich Gott derart mit einem solchen Geschehen identifizieren?

Es ist für mich und für meine Begegnung mit nichtchristlichen Menschen eine große Herausforderung, diese Selbstdarstellung Gottes einzuordnen. Das Denken vom grausamen Gott im Alten Testament scheint mir hier einen Anhaltspunkt zu haben.