Jeder Christ ein Theologe?
Viele Christen meinen, dass sie automatisch Experte für sämtliche theologischen Fragen sind. Einfach so, weil sie Christen sind. Es zeigt sich darin, dass sie in gemeindeinternen Auseinandersetzungen immer gewillt sind, sich an theologischen zu beteiligen. Nicht mit Zurückhaltung, sondern mit der Forderung: „So ist das, ich weiß das“.
Dies ist aber – in dieser automatisierenden Sichtweise – äußerst fragwürdig. Zwar ist jedem Christen der Heilige Geist gegeben, damit er Dinge von Jesus verstehen kann. Aber auch für einen Christen gilt, was auch sonst bei jedem Thema gilt: Von nichts kommt nichts. Um in seinem theologischen Verständnis voranzukommen muss man etwas tun: Die Bibel lesen, Sekundärliteratur lesen, sich mit der Kirchengeschichte befassen, sich mit den Gedanken anderer beschäftigen, usw. Wer das nicht tut, hat im Zweifelfalle auch nicht viel zu sagen.
Besonders beschämend find ich die Ansicht mancher Leute, dass jemand, der sich zu viel mit Theologie beschäftigt, einen falschen Weg einschlägt. Man solle sich wie ein Kind vom Heiligen Geist leiten lassen. Wer zu verkopft sei, gebe dem Geist keinen Raum…
Gegenfrage: Von welchem Arzt würden sich diese Leute operieren lassen? Von einem, der sein Fachgebiet beherrscht und sich auf dem Laufenden hält oder von einem, der sich nicht zu viel Wissen über sein Fachgebiet angeeignet hat, damit der Heilige Geist ihm im OP die Hand führen kann?
Hand auf’s Herz – wenn es danach überhaupt noch da ist: In jedem anderen Themengebiet lassen wir den Grundsatz gelten: Von nichts kommt nichts. Nur in der Theologie soll Gott so handeln und sein Wissen den Faulen geben? Was soll der Heilige Geist benutzen, wenn kaum was da ist, worauf er zurückgreifen kann?

Schuldig. In beiden Punkten.