Jeder Christ automatisch ein Experte?
Ein Irrtum, der sich unter Christen hartnäckig hält, lässt sich so formulieren: „Wir haben als Christen in der Bibel die Wahrheit zu allen Fragen des Lebens, der Welt und des Universums. Wenn ich weiß, was in der Bibel steht, weiß ich alles, was ich zu den in ihr behandelten Themen wissen muss. Ich bin mit dem Wissen der Bibel jedem anderen nichtchristlichen Gesprächspartner automatisch überlegen – ich habe ja die Wahrheit in der Bibel (aufgeschlossen durch den Heiligen Geist) und er nicht.“
Wofür wir als Christen Experten sind bzw. sein sollen
Jeder Christ soll für eine Experte: für das Evangelium. Jeder Christ soll schlüssig und verständlich erklären könne, warum ihm die Botschaft des Evangeliums Hoffnung gibt (1Petr 3,15). Da die Bibel das Buch ist, in dem sich Gott uns offenbart, wäre es auch nicht schlecht sich (möglichst gut) darin auszukennen.
Wir sollen als Christen Experten dafür sein und werden, wie man eine Beziehung zu Gott führt. Und wir sollten mehr und mehr Experten für erfahrene Charakter und Lebensveränderung durch den Heiligen Geist werden.
Wo wir nicht automatisch Experten werden (und es auch nicht sein müssen)
Sehr vorsichtig sollte man mit Äußerungen zu Themen sein, die die Bibel zwar anspricht, sie aber nicht abschließend behandelt. Schnell ist man der Meinung, jetzt die Wahrheit in Händen zu halten. In einer Fachdiskussion wird man aber schnell merken (wenn man keine Scheukappen aufsetzt), dass man allein mit den biblischen Aussagen zu dem Thema noch keine abschließende Position einnehmen kann.
Hier einige Beispiele für solche Themen: Schöpfung/Evolution, Politik, Wehrpflicht, Abtreibung, Feminismus, Homosexualität, Sterbehilfe, Todesstrafe, Psychologie/Psychotherapie, u.v.a.
Obwohl die Bibel zu allen diesen Themen wichtige Aussagen macht, werden wir dadurch nicht automatisch zu Experten, die sich gleichberechtigt mit jemanden unterhalten können, der „voll in diesem Thema drin ist“. Sehr wohl können wir mit aller Demut und Zurückhaltung biblische Standpunkte in eine Diskussion einwerfen. Wir sollten uns bei solchen Themen dennoch immer bewusst sein, dass es nicht Gottes Ziel war, uns in der Bibel ein eindeutiges Lehrkonzept zu diesen Bereichen zu geben.
Ein gutes Beispiel hierfür ist die Debatte um die Evolutionstheorie. Viele der hier angeführten Argumente werden einfach immer wieder von Christen “nachgeplapppert”. Der Christ tritt dabei oft als jemand auf, der von sich meint, dass er durch die Bibel per Definition die Wahrheit in allen Sachfragen hätte. Eine solche Haltung muss z.B. einem Biologen vor den Kopf stoßen. Er hat die Materia jahrelang studiert und dann kommt jemand daher, der zwei Bücher zu dem Thema gelesen hat und meint, ihn belehren zu können.
Wir müssen auch gar nicht Experten dazu sein!
Das Schöne ist: Wir müssen hier gar nicht eine Position haben, die abschließender, besser oder integrativer ist als die Position der Menschen, die sich berufsmäßig damit beschäftigen. Leider bringen Christen sich selber wieder in die ungünstige Ausgangsposition, als Experte zu allem aufzutreten. So wirken sie als Besserwisser, die ihre eigene Kompetenz überschätzen, nicht mit sich reden lassen und den Wissensvorsprung des Gegenübers nicht anerkennen wollen. Die Tür für das Evangelium schließt sich mit einer solchen Haltung meist scheppernd – und ganz ehrlich: Auch ich würde mich mit so jemand nur ungern unterhalten wollen!

Hallo P.
ich danke dir für deine wohltuenden Gedanken. Sie helfen mir gerade sehr.
Viele Grüße und Gottes Segen
Tom