Wo zwei oder drei… – gemeinsames Gebet
Oft zitiert…
Unter Christen wird dem gemeinsamen Gebet von Christen oft ein besonderer Segen bzw. eine besondere Wirksamkeit zugesprochen. Als biblische Belegstelle dafür wird Mt 18,19.20 angegeben „Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen, irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“.Doch was sagt diese Stelle wirklich aus?
…doch auch verstanden?
Einige Punkte schneinen mir dagegen zu sprechen, dass die obige Stelle, so zu verstehen ist, dass gemeinsames Gebet „wirksamer“ ist:
1) Am gewichtigsten scheint mir diese allgemeine Beobachtung: Jesus ist nach dem Verständnis des Neuen Testaments immer anwesend bei den Menschen.
- Mt 28,20: Ich bin bei euch, bis an das Ende der Welt (wohl gemerkt, diese Stelle stammt genauso wie die obige aus dem Matthäusevangelium!).
- Im Johannesevangelium wird diese Anwesenheit Jesu bei den Menschen mit dem Beistand seines Heiligen Geistes als Jesu Stellvertreter begründet (Joh 16,5ff)
- Dieser Gedanke des Heiligen Geistes in den Christen findet sich auch in den Briefen, u.a. Eph 1,13.14.
Schlussfolgerung: Mt 18,19.20 wäre dann die einzige mir bekannte Stelle im NT, die aussagen würde, dass man diese den Christsein verheißene Gegenwart Jesu durch eine menschliche Tat noch steigern kann und damit dann das Gebet wirksamer macht.
2) Der Zusammenhang von Mt 18,15-20
Mt 18,15ff beschreibt ein Vorgehen gegen ein sündigendes Teil einer Gemeinschaft. Der Abschnitt schließt in den Versen Mt 18,18.19 mit der Aussage, dass Gott sich zu dem Urteil der Gemeinschaft über den Sünder stellen wird.
„Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“ Ist die eine abschließende göttliche Bekräftigung dieses menschlichen Beschlusses.
Diese Aussage muss in ihrem konkreten Zusammenhang gesehen werden. Es wird sehr schwer, sie allgemein auf jedes gemeinschaftliche Gebet anzuwenden (s. 1).
3) Jesu Muster für Gebet: Mt 6,5ff
Wiederum im Matthäusevangelium findet sich eine direkte Anweisung, wie einer seiner Nachfolger beten soll: „Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hasta, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.“ (Mt 6,6).
Nun dient diese Anweisung Jesu in erster Linie als Abgrenzung gegen ein sich zur Schau stellendes frommes Prahlgebet (Mt 6,5). Dennoch ist es erstaunlich, dass Jesus in diesem ganzen Abschnitt über das richtige Beten nichts über das gemeinsame Gebet sagt.

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