Christen und die Musik (Teil 2)

„Der Teufel bedient sich der Rockmusik, um Menschen zu verführen und auf den falschen Weg zu bringen.“
Dem ist sicherlich zuzustimmen: Der Teufel bedient sich auch der Rockmusik, um Menschen zu verführen. Der Teufel versucht alles, um Menschen von Gott wegzuziehen – wieso dann nicht auch mir Rockmusik?
Die eigentlich Frage dahinter ist: Ist Satans Wirken besonders an bestimmte Dinge, wie z.B. einen Musikstil gebunden? Steckt in der Musik einer Band besonders viel satanisches Wirken, weil man sie als satanisch, gefährlich, düster oder gotteslästerlich empfindet?

Nun, Satan kann genauso durch christliche Band und ihre Musik wirken wie durch eine solche satanisch scheinende Band: Ich kann auch christliche CDs aus Habsucht sammeln. Ich kann mich auch mit christlicher Musik wie mit einem Selbstzweck so sehr beschäftigen, dass für Gott keine Zeit mehr bleibt. Auch christliche Bands können schiefe Lehraussagen oder einseitige Lehrbetonungen in ihren Liedern haben.

Mir scheint das Grundproblem hinter der Diskussion folgendes zu sein: Wir wollen uns als Christen Bereiche schaffen, innerhalb derer wir „vor dem Teufel sicher sind“. Schnell ist man dabei, das satanische Wirken in Liedern und Bands zu lokalisieren.
Dabei ist das Hauptproblem nicht in einem Lied, sondern in uns selber drin. Es ist die innere Sündigkeit, das Gotteswiderstreben, das „Ich-Mach-Mein-Ding-Und-Was-Mir-Bock-Macht“ in uns. Dem können wir nie ausweichen, nie entfliehen, indem wir unsere Lebensumstände verändern. Wir wären naiv, wenn wir meinen, dass wir auf der sicheren Seite sind, wenn wir christliche Musik hören und den „Heidenrock“ aus unserem Leben verbannen.

Gerade, wenn ich den Teufel nicht locker nehmen will, muss ich damit rechnen, dass er nicht so dumm ist und sein Verführungswirken nur an bestimmte Musikstile von Ungläubigen bindet. Er kann alles und jeden benutzen (auch Petrus, als er zu Jesus sagt, dass er nicht sterben soll).

„Aber die Musik kommt doch von einer Band, die sich zu Satan bekennt.“
Wir überschätzen die Macht eines Menschen maßlos, wenn wir meinen, dass alle seine Musik satanisch sein muss, nur weil er irgendwann einmal gesagt hat: „Meine Musik ist für den Satan“.
Bei den Beatles werden selbst ganz „harmlose“ Lieder deshalb per Definition für satanisch gehalten.
In manchen Fällen, werden solche Künstler wirklich in einer Verbindung mit dämonischen Mächten stehen. In anderen Fällen, täuschen sie sich selber. In wieder anderen Fällen ist es einfach nur Show, um Publicity zu bekommen.

Genauso ist es eine Fehleinschätzung, wenn man sagt: Weil dieser Musikstil von einer satanischen Band mitentwickelt wurden, werden alle Bands die diesen Stil spielen auf alle Zeiten auch satanisch beeinflusst sein.
Bei sehr vielen Dingen, die für uns heute selbstverständlich sind, haben einen Ursprung, der nicht ganz astrein ist. So kommt zum Beispiel das Hände beim Gebet falten aus der heidnischen Religion der Germanen und wurde beibehalten, als die Germanen Christen wurden.

Bestimmte Symbole und Stile verlieren mit der Zeit die Bedeutung, die man ihnen ursprünglich gab und werden so für eine neue Generation „neutral“. Wenn keiner mehr etwas über den Ursprung der Rockmusik weiß, kann dies auch keinen mehr negativ beeinflussen – genau so wie beim Händefalten.

still to be continued

~ von Erasmus der Geist am Mittwoch, 30. April 2008.

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