Der Bumerangvorwurf

Folgende Aussage erscheint mir wie ein Bumerangwurf: Wenn ein Neubekehrter es mit Jesus ernst meint, wird er sich in unserer Gemeinde einfügen und anpassen – auch, wenn sie in nicht in allem seinen Vorstellungen entspricht.

Dies mag bis zu einem gewissen Grad auch richtig sein. Aber es gibt bestimmte Personengruppen, deren bisheriges Lebensumfeld und deren bisherige Lebensgewohnheiten derart von denen unser Gemeinde abweichen, dass es für sie sehr schwer, bis unmöglich ist, in das Gemeindeleben hineinzufinden.

Häufig höre ich dann: Egal – wenn er es wirklich ernst meint, wird er sich bemühen hier rein zu finden und sich diesem ihm fremden Stil anpassen.
Wenn er es dann doch nicht tut oder sogar nach einiger Zeit nicht mehr zur Gemeinde kommt, wird dann gesagt, dass er es nicht wirklich ernst gemeint habe.

Stutzig macht mich, wie in den Gemeinden dann allerdings um z.B. um die Gottesdienstgestaltung gerungen wird. Und ich meine Änderungen, die als wirklich sinnvoll angesehen werden. Dann wird auf einmal darauf verwiesen, dass man auf die Geschwister, die schon lange in der Gemeinde seien Rücksicht nehmen müsse und sie mit Änderungen nicht einfach überfahren könne.
Ich merke dann, dass auch bei manchen Alteingesessen ein Unwille zur Umgewöhnung da ist. Die Jüngeren und Neueren aber sollen sich anpassen – auf die geistlich Älteren und Reiferen nimmt man mehr Rücksicht. Ist hier nicht etwas schief?

Ist es nicht so, dass ich von den Alteingesessenen mehr erwarten kann? Müssten sich nicht die Stärkeren geistlich Reiferen den geistlich Jüngeren anpassen?

Von daher kommt das Argument: „Wenn er sich nicht anpasst, meint er es nicht ernst mit Gott“, postwendend wie ein Bumerang zum sich Äußernden zurück und stellt ihm die Frage: „Warum passt du dich nicht ihm an?. Warum hängen Alteingesessene wie du an bestimmten Formen in der Gemeinde und möchten nicht, dass sie verändert werden, wenn geistlich Jungen damit das Christsein erleichtert wird?“.

Ist es vielleicht nur deshalb, weil man sich sagt: Ich habe mich damals auch anpassen müssen, als ich neubekehrt war – jetzt muss er da auch durch!
Aber ist das eine vor Gott richtige Haltung?

Zeigt das ganze nicht vielmehr, dass es uns allen schwer fällt, uns anzupassen – und das es nicht zwingend ein Auschlusskriteium für echte Geistlichkeit sein muss? Und zeigt dies nicht, dass wir uns ernsthaft überlegen müssen, welche Probleme auf jemanden zukommen, der sich aus einer anderen Sozialisation heraus belehrt und in unsere Gemeinde kommt?

~ von Erasmus der Geist am Mittwoch, 30. April 2008.

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