Die Schuldfrage bei Stagnation

Was, wenn einzelne Christen sich nicht so entwickeln, wie man sich das für sie wünschen würde?
Ein Vorwurf, den man dann nicht selten hört, ist: „Er meint es einfach nicht ernst genug.“
Der Grund dafür, dass sich jemand nicht richtig weiterentwickelt wird fast ausschließlich an dessen Hingegebenheit festgemacht.

Dies ist aber oft nicht die einzige Erklärung. Ein Christ kann sich in für ihn günstigeren und ungünstigeren Gesamtumständen befinden und dies beeinflusst seine Entwicklung auch stark.
Ein wichtige Frage ist: Steckt dieser Christ in für ihn unvorteilhaften Gemeindestrukturen? Welche Förderung würde ihm konkret helfen?

Die meisten haben hierfür keinen Blick und denken: Mit den richtigen Leuten, die die richtige Einstellung haben, wäre jede Gemeindestruktur OK. Man hört Dinge wie: „Früher hatten wir doch dieselbe Struktur wie heute – nur wir wollten damals, die jungen Leute heute wollen eben nicht mehr.“

Hinter einer solchen Haltung steht – bewusst oder unbewusst – eine gewisse Arroganz. Man tut so, als ob die Umstände der eigenen geistlichen Prägung die wirklich richtigen wären.
Aber ist es nicht in Wirklichkeit so, dass es eine reine Geschmacksfrage ist? Bestimmte Gemeindestrukturen kamen ihnen damals entgegen und kommen ihnen auch heute noch entgegen – deshalb wird an diesen Strukturen festgehalten.

Solche Leute erwarten dann, dass eine neue Generation von Christen mit ganz anderen Lebensumständen diese damals hilfreichen Gemeindestrukturen auch als hilfreich empfinden und in ihnen automatisch wachsen werden.
Wenn dieses Wachstum nicht stattfindet, sind sie eben nicht geistlich genug.

~ von Erasmus der Geist am Mittwoch, 30. April 2008.

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