Die Wahrheit in Wahrscheinlichkeiten

Als Christ ist und etwas nachenkt, muss man sich über kurz oder lang folgender Frage stellen: Wieso gibt es bei bestimmten (theologischen) Themen zwei oder mehrere Meinungen, die so völlig entgegengesetzt sind? Hat Gott nicht beiden Auslegern bzw. Denkern seinen Heiligen Geist gegeben?

Hier nur einige Beispiele für solche strittigen Themen:

· Vorherbestimmung und freier Wille?
· Kann ein Christ verloren gehen
· Scheidung und Wiederheirat

Bei diesen Themen finden sich für beiden Positionen finden sich scharfe Denker und Christen, die ein Gott wirklich hingegebenes Leben führen. Wer hat Recht?

Ein sehr hilfreicher Ansatz ist der, sich der Wahrheit in Wahrscheinlichkeitsverhältnissen zu nähern.

Dann fragt man nicht sofort nach wahr oder falsch. Sondern man bemerkt zunächst man, dass es sich bei dieser Frage (z.B. ob ein Christ verloren gehen kann) um eine Kontroverse handelt, die in den letzten 2000 Jahren Vertreter auf beiden Seiten hatte; und die auch durch die biblischen Stellen nicht ganz einfach zu lösen ist. Weil beide Seiten immer wieder für sich in Anspruch nehmen: Deine Belegstellen sind die unklaren, die durch meine klaren Belegstellen ins richtige Licht gerückt werden. Oder, weil es einfach wenig Bibelstellen zu dem Thema gibt.
Dies kann uns vorsichtig werden lassen, vorschnell zu erwarten, dass man zu einem absoluten „Ja“ oder „Nein“ kommen wird.

Vielmehr sollte man sich die Argumente beider Seiten ansehen und dann für sich persönlich prozentuale Wahrscheinlichkeiten aufstellen. Dann kann man sagen: Mir erscheint diese Position zu 70% sicher, die andere maximal zu 30%. Damit hat man für sich eine Einordnung getroffen und sich auf eine Position festgelegt. Aber man gibt für sich und vor anderen zu, dass nicht alles für die eigene Sicht spricht und auch die Sicht der Gegenseite eine gewisse Berechtigung behält.

Eine solche Herangehensweise in strittigen und schwer zu beurteilenden Fragen, kann uns helfen, nicht Unterscheidungen zu machen wie: Die vertreten dir richtige Position und die die falsche. Sondern wir werden der Schwierigkeit der Fragestellung gerecht und kommen doch zu einer Wahrscheinlichkeit, die unserem persönlichen Glauben hilft – schließlich will man auch in schwierigen Fragen einen Standpunkt haben.
Nur werden wir so vor einem arrogant-herabblickenden Standpunkt bewahrt.

~ von Erasmus der Geist am Mittwoch, 30. April 2008.

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