Falsche Gottesbilder
Ich möchte diese Aussage von zwei Seiten beleuchten.
1. Die Berechtigung dieser Warnung
Zum einen hat diese Warnung inhaltlich eine Berechtigung. Denn es besteht tatsächlich die Gefahr, dass man sein Gottesbild für absolut hält und es nicht mehr hinterfragt. Man merkt die an Aussagen wie: „Ein Gott der Liebe kann s o etwas nicht zulassen.“ Hier wird die Liebe Gottes als Eigenschaft absolut gesetzt. Gott kann in diesem Gedankenkonzept überhaupt nicht hart und strafend sein – per Definition nicht.
Eine Warnung vor einem solchen einseitigen Verabsolutieren der eigenen Gedanken über Gott ist angebracht.
2. Die Überreaktion dieser Warnung
Doch nun komme ich zur zweiten Seite an dieser Behauptung: „Du sollst dir kein Bild von Gott machen“. In dieser Formulierung liegt eine Überreaktion.
Denn es ist uns Menschen schlicht unmöglich, uns über Gott zu unterhalten, ohne uns ein Bild von ihm zu machen. Wenn wir über etwas reden, machen wird uns automatisch ein Bild davon. Von Gott zu reden und gleichzeitig kein Bild von ihm zu haben ist eine undenkbare Worthülse.
Es gibt immer etwas in unserem Kopf, dass nicht Gott selbst ist, das unser aber darin festlegt, wie wir Gott sehen.
Wie sollte ich z.B. zu Gott beten, ohne ein Bild von einem Gott zu haben, der zuhört? Wie sollte ich mir sicher sein, dass ich den Namen Gottes aussprechen darf, ohne zu sterben, wenn mir mein Bild von Gott nicht zusichern würde: Du darfst das.
Gott ist uns nicht zugänglich, keiner von uns hat ihn gesehen. Daher müssen wir die Aussagen der Schrift für uns zu einem gedanklichen Bild zusammenfügen, um mit Gott überhaupt irgendwie umgehen zu können. Sonst wüssten wir nie, woran wir an Gott gerade wären und müssten bei Gott in jedem Moment mit jeder denkbaren Reaktion rechnen.
Aber Gott möchte ja gerade eine Beziehung zu uns. Er will das wir zu ihm kommen. Zu einer Beziehung gehört aber unbedingt dazu, dass man den anderen richtig einschätzt – sich ein richtiges Bild von ihm macht. Und Gott offenbart ja auch Wesenszüge von sich an uns, damit wir wissen, woran wir bei ihm sind. Damit wir z.B. wissen, dass wir ihn immer bitten können und ein Gebet an ihn grundsätzlich nie unpassend ist.
Man sollte die oft ausgesprochene Warnung so präzisieren:
Wir dürfen uns zwar ein Bild von Gott machen, aber kein abschließendes Bild.
Wir brauchen ein Bild von Gott – als Grundlage, auf der wir über Gott weiterdenken können. Wir dürfen nur nie aufhören, über Gott nachzudenken und ihn zu suchen. Und wir dürfen nicht meinen: Jetzt weiß ich genau wie Gott ist. Wir müssen immer wieder in die Schrift gucken und in der lebendigen Beziehung mit Gott leben und unser Gottesbild dann ausrichten, erweitern, einschränken, usw.
Es darf nie dazu kommen, dass wir meinen: Ich kenne Gott, daher habe ich ihn im Griff. Ich weiß genau wie er wann reagiert. Dafür lässt Gott einfach viel zu viele seiner Wesenzüge im Dunkeln.
Also: Offenes und vorsichtiges Gottesbild: Ja! Abgeschlossenes und überhebliches Gottesbild: Nein!

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