Intellektuelle Differenziertheit

Mit der Spannung der Differenziertheit von Sachverhalten können nur wenige Menschen gut leben. Vielen fehlt die intellektuelle Souveränität, frei und mit einer gewissen inneren Distanz, verschiedene (eventuell auch widersprüchliche) Positionen zu erörtern bzw. abzuwägen.

Man braucht sehr viel „wissensmäßigen Grundstock“, damit man auf einer Meta-Ebene über verschiedene Positionen zu einer (theologischen) Frage nachdenken kann, ohne gleich seinen eigenen Glauben hinterfragt zu sehen und ihn dann in der Folge verteidigen zu wollen.

Dies ist der Grund warum viele Diskussionen über Sachthemen unter uns Christen letztlich so emotional geführt werden. Manche Menschen hängen emotional an einer bestimmten Position – sie brauchen sie eventuell, weil sonst ihr ganzes Leben mit Gott aus den Fugen geraten könnte. Und daher wird für seine eine Diskussion mit verschiedenen Positionen automatisch eine Diskussion, in der sie ihre eigenen Grundfesten angegriffen sehen. Sie sind emotional in Frage gestellt und führen die Diskussion nicht mehr neutral sachlich, sondern emotional subjektiv. Es wird keine Diskussion, sondern ein „Kampf um ihre geistliche Existenzweise“.

~ von Erasmus der Geist am Mittwoch, 30. April 2008.

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