Altes und Neues – der Prediger

Ist alles schon einmal da gewesen? Oder gibt es Dinge, die wirklich neu sind?

Im Buch Prediger heißt es, dass es “nichts Neues unter der Sonne” gibt. Doch was meint er damit? Meint er, dass es wirklich alles schon einmal gab?
Dies ist schwer denkbar. Bestimmte Erfahrungen sind uns erst heute möglich. Nehmen wir als Beispiel die Weltraumfahrt, die sich erst durch den technischen Fortschritt im 20. Jahrhundert verwirklichen ließ. Es gab sie gewiss nicht schon in früheren Zeiten.

Was aber meint der Prediger dann? Er muss etwas allgemeineres, hinter den Dingen liegendes meinen: die Motive des Menschen, sein Natur, sein Wesen, seine Art zu denken und zu handeln. Dies sind die Dinge, die nie neu sind, sondern immer schon da waren.
So könnte man im Falle der Raumfahrt durchaus behaupten, dass sie unter einen gewissen Gesichtspunkt nicht neu ist: Sie ist Ausdruck der Entdeckungs- und Eroberungslust des Menschen. Diese Entdeckungslust hat der Mensch immer schon gehabt. Das einzige, was sich in den Jahrhunderten änderte, war, wonach sich diese Lust ausstreckte – mal war es die Suche nach dem Seeweg nach Indien, dann der Nordpol und später eben das All.

So sind viele Phänomene unserer Welt zum einen „neu“ und zum anderen auch gleichzeitig „alt“.

~ von Erasmus der Geist am Donnerstag, 1. Mai 2008.

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