Der Heilige Geist und das Verstehen der Schrift
Erkenntnisart 1
Wenn man sich ein bisschen in der wissenschaftlichen Literatur zur Bibel umschaut, wird man erstaunt sein, wie viel dort aus der Bibel erkannt und treffend dargestellt wird – auch von Autoren, die sich selber nicht als Christen bezeichnen würden. Ich würde so weit gehen, dass es keine intellektuelle Erkenntnis in der Schrift gibt, die man nur als Christ herausfinden könnte.
Es geht zunächst einmal lediglich darum, sich mit den biblischen Sprachen auszukennen, richtig zu übersetzen und den grammatikalischen Sinn zu deuten. Als nächsten Schritt versucht man, die einzelnen Lehraussagen der Schrift in ein System zu bringen und so zu ausgewogenen Lehraussagen zu gelangen.
All dies erfordert fachliche Fähigkeiten und Fleiß – aber nicht zwingend ein besonderes Wirken des Heiligen Geistes.
Natürlich ist auch die Tatsache, dass ein Mensch überhaupt leben, denken, lernen kann ein Geschenk Gottes. Der dreieinige Gott erhält jedem Mensche in jedem Moment sein Leben.
Erkenntnisart 2
Manchmal scheint mir eine gewisse Arroganz unter den Christen vorzuherrschen – nach dem Motto: „Was soll man von dem denn lernen können, der ist doch kein Christ.“. Vorsicht! Es mag sein, dass man mit dem Ansatz, den so mancher Philosoph oder Theologe zur Bibel hat nicht übereinstimmt. Aber man sollte die Fachkenntnis und das Bibelwissen dieser Menschen nie unterschätzen oder gering schätzen.
Das Wirken des Geistes scheint mir etwas zu sein, das wir kaum beschreiben können. Er schafft es, dass intellektuelle Wahrheiten uns mitten im Inneren unseres Wesens treffen und betroffen machen. Erkannte Wahrheiten werden auf einmal lebendig. Man fängt an sich selber als ein Beziehungspartner vor Gott zu begreifen. Man merkt: Die Botschaft der Schrift von Gott und den Menschen ist keine ferne Botschaft. Zu „den Menschen“ gehöre auch ich dazu. Und gerade ich bin gemeint, wenn ich mich mit der Bibel beschäftige. Der Heilige Geist überwindet unsere innere Distanz, zu dem von uns aus der Schrift erkannten. Er hilft uns, sie auf uns selber anzuwenden – in einer ganz existentiellen Art und Weise, die zu einer völligen Umkehr und Lebensneuausrichtung führt. In diesem Sinne lehrt er uns die Worte Jesu.
Zusammenfassung
Um es noch einmal zusammen zu fassen: Mir scheinen nicht unbedingt nur Christen das Monopol auf eine kompetente Bibelauslegung zu haben. Dafür gibt es einfach zu viele sehr hilfreiche Bücher, von Nichtchristen – aus denen ich auch selber viel gelernt habe. Man kann solche Erkenntnis – unter dem Vorbehalt, dass Gott einem dazu die Gnade des irdischen Lebens erhalten muss – auch ohne Beziehung zu Gott erlangen.
Auf der anderen Seite bin ich überzeugt davon, dass man ohne eine solche Beziehung zu Gott und Jesus Christus und ohne das Überzeugtwerden durch den Heiligen Geist nicht von diesen Erkenntnissen ergriffen und innerlich erneuert werden kann.

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