Der Weg zum Wissen

Eine interessante Frage ist doch, wie als Mensch überhaupt einen intellektuellen Zugang zur Wirklichkeit bekommen kann. Dies ist die Frage die man im sogenannten Bereich der „Erkenntnistheorie“ behandelt.
Wenn ich anfange zu denken, kann dies nie im luftleeren Raum geschehen. Ich muss zum Denken immer bestimmte Dinge voraussetzen. Ich muss mich für bestimmte „Denkvoraussetzungen“ (oder Axiome, Prämissen, Grundannahmen) entscheiden und nachdem ich mich so festgelegt habe, kann ich aufgrund dieser Denkvoraussetzungen/Grundannahmen schlussfolgern. Oder anders ausgedrückt: Unser Wissen ist ein Netz von Hypothesen, ein Gewebe von Vermutungen.

Ich möchte einen sehr vereinfachten Versuch wagen, meine Marker auf dem „Weg zum Wissen“ zu beschreiben. Man könnte es auch als ein „Bekenntnis zu den von mir in meinem Denken getroffenen Grundsatzentscheidungen“ verstehen:

1. Es gibt sicheres Wissen, dass der Mensch gewinnen kann. Die Sinneswahrnehmungen des Menschen sind grundsätzlich keine Täuschungen, sondern spiegeln die Realität korrekt und unverzerrt wieder.
2. Jedes Wissen beruht auf Grundsatzentscheidungen (Axiomen), die man zunächst treffen und glauben muss.
Zur Wahl der Grundsatzentscheidungen: Ein empirisch-wissenschaftliches System (Theorie) muss an der Erfahrung scheitern können. Ein nicht falsifizierbares System (Theorie) hat keine Aussagekraft – die Axiome sind so gewählt, dass jeder Einwand unmöglich wird (Ich kann die Behauptung: „Es gibt blaue Eichhörnchen“ durch keine Beobachtung widerlegen.)
3. Es gibt ein höheres Wesen (bzw. Gott), das außerhalb des menschlichen Systems (Universum) existiert.
4. Wenn es ein solches höheres Wesen (bzw. Gott) gibt. Dann besteht die Möglichkeit, dass es sich den Menschen in einer ihnen verständlich Art und Weise mitteilt (offenbart).
5. Ich glaube, dass die Bibel diese Offenbarungsquelle eines höheren Wesens ist. Damit wird den Menschen ein Blick auf sich selber aus der Perspektive Gottes ermöglicht.

Jeder Mensch hat gewisse Vorraussetzungen, die er – bewusst oder unbewusst – bei seiner Argumentation voraussetzt; bestimmte Autoritäten, auf die er sich beruft. Von dieser hier dargestellten Grundlage sehe ich mich überhaupt erst in der Lage, mir mit meiner Vernunft Urteile zu bilden.
Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass ich meine Grundsatzentscheidungen nicht beweisen kann. Ich kann jedoch versuchen zu zeigen, dass ich sie für wahrscheinlicher als jeder andere Alternativen halte. Demnach glaube ich an diese Grundsatzentscheidungen, da mir meine Vernunft sagt, dass es der wahrscheinlichste Inhalt ist, an den man glauben kann.

Eine interessante Beobachtung noch zum Schluss: Bereits ein Gespräch über den Zugang zur Wirklichkeit setzt bereits voraus, dass ich meiner Vernunft trauen kann.
Ich beurteile die Grenzen meiner Vernunft mit absolut derselben Vernunft, mit der ich sie beurteile.

~ von Erasmus der Geist am Donnerstag, 1. Mai 2008.

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