Die „Gemeindeidylle“ nach der Bekehrung

Für einen Neubekehrten ist oft folgendes kennzeichnend: Er nimmt die oft nur oberflächliche Herzlichkeit, Anteilnahme und Selbstlosigkeit in der Gemeinde ohne Zweifel für bare Münze. Dies ist sehr verständlich, da diese oberflächlich-liebevolle Atmosphäre trotz ihrer Unvollkommenheit immer noch einen riesigen Unterschied zu vielen anderen Gemeinschaften von Menschen darstellt (sei es der Sportverein, Betrieb oder der bisherige Freundeskreis).
Erst mit der Zeit wird er die oft subtil versteckte Selbstsucht, den Geltungsdrang und das Machtstreben hinter dieser geistliche Idylle erkennen – in dem Maße, in dem er die Christen in der Gemeinde besser kennen lernt und tiefere Erfahrungen mit ihnen macht.

Denn über eines darf man sich nicht täuschen: Trotz aller Veränderung, die der Heilige Geist in den Christen bewirken mag: Es werden sich auch in der Gemeinde alle zwischenmenschlichen Verfehlungen anfinden, die man auch in einer Gemeinschaft von Nichtchristen beobachten kann.

Der Heilige Geist verändert zwar – aber nicht indem er den Menschen einfach in einem Mal umkrempelt. Nein – er tut es in einem langwierigen und schmerzhaften Prozess, an dem sich der Christ selber beteiligen muss.
Und oft sind den Christen ihre fleischlichen Charaktertendenzen, die immer noch verblieben sind selber gar nicht bewusst.
Es ist wohl eine richtige Einschätzung, dass ein Mensch, der Anfang 20 ist, sich in den grundlegenden Charaktereigenschaften nicht mehr groß verändern wird – auch wenn er Christ ist.
Was allerdings sehr wohl vom Heiligen Geist verändert werden kann ist folgendes: Ein Bewusstsein für die eigenen Charaktermacken und ein Wille, ihnen entgegenzuhandeln. Dennoch wird es oft nicht klappen.

Daher sollte man die Gemeinde nicht vorbehaltlos als einen Ort der Offenheit und es Vertrauens bezeichnen, in dem man sich „einfach so fallen lassen kann“. Dies ist ein Hohn den Menschen gegenüber, die in der Gemeinde von anderen Christen schwer enttäuscht wurden, weil sie glaubten, „bei Christen muss es doch anders sein als in der Welt“.

~ von Erasmus der Geist am Donnerstag, 1. Mai 2008.

Einen Kommentar schreiben