Die Lebbarkeit von einer Theorie als Kriterium für ihre Richtigkeit

Einleitung
Ein sehr wichtiges Prüfungskriterium für Weltanschauungen und philosophische Theorien ist deren tatsächliche Lebbarkeit. Man darf berechtigt die Frage stellen: Schafft es denn wenigstens der Vertreter einer Theorie, ihrem Inhalt gemäß zu leben?

Beispiel

Nehmen wir mal an Philosoph Weißnix vertritt die Ansicht, dass man seinen Sinnen nicht trauen kann und das menschliche Sprache nicht dazu geeignet ist, um gedankliche Inhalte wiederzugeben und an Dritte zu vermitteln.
Um seine bahnbrechenden Erkenntnisse zu besprechen, lädt er seine Philosophenkollegen aus aller Welt zu einem Kongress nach Paris. Voller Vorfreude erwartet er das Ereignis.

Wenn Herr Weißnix gemäß seinen eigener eigenen Theorie leben würde, könnte er gar nicht erwarten, dass seine Kollegen – zumal Kollegen aus verschiedenen Ländern – seine Einladung verstehen können. Erst recht kann er nicht erwarten, dass sie mittels ihrer Sinne so viel von der Einladung erfassen und verstehen könne, das sie sich tatsächlich zu einem konkreten Zeitpunkt an einem konkreten Ort einfinden werden. Und Weißnix dürfte schon überhaupt nicht davon ausgehen, dass bei einer Konferenz ein irgendwie gearteter Austausch über seine Theorien stattfinden könnte – wie sollte er sie auch einem dritten vermitteln können?

Schlussfolgerung
Was ich hiermit zeigen wollte: Wenn Herr Weißnix seine obige Sprachtheorie anderen vermitteln will, setzt er damit bereits voraus, dass seine Theorie über die menschliche Sprache unzutreffend ist. Wenn er anderen seine Theorie mitteilen will, verhält er sich entgegen seiner Theorie. Er vertraut der menschlichen Sprache als Kommunikationsmedium auf einmal doch.

In gewissem Sinne wiederlegt er damit durch sein praktisches Leben bereits seine philosophische Weltanschauung.

~ von Erasmus der Geist am Donnerstag, 1. Mai 2008.

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