Menschenfischer

Einleitung
Als Petrus gerade das Fischfangwunder erlebt hatte, offenbarte ihm Jesus etwas über seine Zukunft: Er sollte ein Menschenfischer werden.
In Anlehnung an diese Begebenheit reden wir auch heute oft davon, dass wir Menschenfischer sein wollen und meinen damit, dass wir Menschen für Jesus gewinnen wollen.
So gut und treffend die Verwendung von Jesus im damaligen Kontext war – wir sollten ihn heute eher vorsichtig verwenden. Warum?

Missverständnisse und Ängste
Mir fällt auf, dass der bildhafte Ausdruck “Menschenfischer” eine Färbung haben kann, die in der heutigen Zeit als sehr negativ empfunden wird. Nämlich die, dass man Menschen einen “Köder” hinhält, um nie ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Sobald sie dann “angebissen” haben, werden sie dann “gefangen”. Und schon wendet man sich dem nächsten “Fisch” zu.

Leider läuft Evangelisation manchmal auch so ab, dass man versucht Menschen um jeden Preis zu einer Veranstaltung zu locken. Und sobald die Leute da sind, merken sie, dass es eine Mogelpackung war.

Auch der Aspekt des “Fangens” ist in der heutigen Zeit sehr aktuell. Sekten versuchen Menschen an sich zu binden und gefügig zu machen.

Freundschaftsevangelisation vs. Menschen fischen
Fast alle Experten sind sich einig, dass bei uns in Deutschland derzeit die meisten Menschen über glaubwürdige persönliche Beziehung zu Christen zum Glauben finden. Über Beziehung, die nicht von Mogelpackungen, Druck und reiner Zweckmäßigkeit geprägt sind, sondern von echter Anteilnahme und Aufrichtigkeit – ganz egal, ob der andere sich gerade für den Glauben interessiert oder nicht.

Die Fischertätigkeit ist eine sehr zielgerichtete: es geht um den Fang und sonst nichts. Meiner Ansicht nach kann eine richtige Freundschaft nie zielgerichtet sein. Dies widerstrebt dem Wesen der Freundschaft. Sie ist ja gerade dadurch gekennzeichnet, dass es bei ihr nicht um ein Ziel, sondern die andere Person geht. Und mag man noch so sehr davon überzeugt sein, dass es für den anderen das wünschenswerteste wäre, wenn er Christ wird; wenn es eine echte Freundschaft ist, wird man sich nicht anders zu ihm verhalten, wenn er kein Interesse am Glauben hat.

Wenn man nun als Christ gegenüber Nichtchristen den Begriff Menschenfischer verwendet, kann bei ihm die Assoziation kommen, dass es einem nur darum geht für seine Sache zu werben. Und nichts wäre für den Aufbau einer Freundschaft kontraproduktiver als solch ein Eindruck.

Fazit
Zwar ist es gut, dass wir durch den Begriff Menschenfischer daran erinnert werden, welches eines unserer Hauptziele im Leben sein soll. Darin besteht sein Wert.

Doch es ist eben ein Bild – und Bilder haben immer ihre Grenzen. Meist werden sie verwendet, weil sie einen Aspekt sehr gut verdeutlichen können. Diese “Verdeutlichungsstärke” kann aber auch gleichzeitig zu einer Schwäche werden: Für jemanden, der nicht weiß, was verdeutlicht werden soll, ist der Begriff zwar auch sehr einprägsam, aber er versteht ihn ganz anders. Ergebnis: ein gut im Gedächtnis verankertes Missverständnis.
Daher müssen wir darauf achten, dass dieser Begriff gegenüber Nichtchristen sehr schnell Missverständnisse und sogar Ängste erzeugen kann.

Und auch wir sollten stets vor Augen haben, dass es nicht nur darum geht, dass “Menschenfischen” es vor dem heutigen kulturellen Hintergrund bedeutet, sich glaubwürdig in den Beziehungen zu Nichtchristen zu verhalten. Es bedeutet eben nicht, schnell mal einen Köder auswerfen und hoffen, dass möglichst viele anbeißen, bevor sie merken, was da mit ihnen eigentlich geschieht.

~ von Erasmus der Geist am Donnerstag, 1. Mai 2008.

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