Selbstkonditionierung & Erfahrung
Man kann auch anders herum fragen: Was ist für mich eine Tatsache – die objektive oder die subjektiv empfundene Realität? Ist etwas, von dem ich glaube, dass ich es erlebt habe, für mich eine Tatsache? Gibt es so etwas wie „seelische Tatsachen“, die existieren, weil ich sie so empfinde und wahrnehme?
Und wie stark kann ich meine Wahrnehmung und meine Empfindungen durch meinen Willen beeinflussen? Wenn ich mich nach einer bestimmten Erfahrung sehne, werde ich sie dann auch irgendwann subjektiv erleben?
Werde ich irgendwann die objektiven Realitäten meines Lebens so umdeuten, dass es zu meinem „Erfahrungswunsch“ passt?
Auf viele dieser Fragen habe ich derzeit keine Antworten. Auffällig scheint mir allerdings zu sein, dass man sich als Gruppe gegenseitig beeinflusst. Innerhalb einer Gemeinde haben die Geschwister oft recht ähnliche Gotteserfahrungen – wohingegen sich die Erfahrungen einer anderen Gemeinderichtung z. B. einer charismatisch dann stark von einer nichtcharismatischen Gemeinde unterscheidet.
Ist es so, dass man sich in seiner Gotteserfahrung irgendwann dem „herrschenden Stil anpasst“? Und wenn ja – wie geschieht dies? Geschieht es, indem man einen ähnlichen Zugang zu Gott sucht wie die anderen? Oder geschieht es, weil man sich so sehr eine ähnliche Gotteserfahrung wünscht, dass man sie sich irgendwann einbildet (obwohl man sie subjektiv als echt ansieht)?
Erlebt man, weil man erleben will und es sich einbildet? Oder erlebt man, weil man durch seinen Willen zum Erleben tatsächlich den Weg zum Erleben gefunden hat?

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