Determinusmus Teil 5: Die Erfahrung der Freiheit im „Indeterminusmus“

Wie entsteht der Eindruck der Freiheit?
Die allgemeine Erfahrung der Handlungsfreiheit ist keine Täuschung. Sie spiegelt die Realität wieder.
Dabei darf nicht schwarz-weiß gemalt werden in dem Schema: Entweder wirkt gar nichts auf dich ein in deiner Entscheidung, dann und auch nur dann bist du frei in deiner Entscheidung.
Das bedeutet allerdings – zu Ende gedacht –, dass auf einen Menschen seit seiner Geburt nichts von außen einwirken durfte. Dies ist natürlich nicht der Fall – jeder von uns nimmt Einflüsse von außen auf. Sobald aber etwas auf dich einwirkt, bist du nicht mehr frei. Du bist völlig determiniert.

Jedes mal, wenn ein Mensch handelt, kann man dies aus zwei Perspektiven tun:
1) Man kann eine Handlung so betrachten, dass man sieht, dass es im Erleben des Handelnden keinen Zwang gibt, eine Sache völlig in eine Richtung festgelegt zu tun.
2) Mann kann analysieren, welche Motive und Umstände dieser Handlung zu Grunde liegen. Weiterhin kann man dies mit anderen Handlungen anderer Menschen vergleichen und zu dem Schluss kommen, dass bestimmte Faktoren ein bestimmtes Verhalten beim Menschen hervorbringen. Jetzt ziehen die Deterministen den Schluss, dass, wenn man das Handeln des Menschen aus verschiedenen Faktoren erklären kann, s auch völlig festgelegt ist. Diese Schlussfolgerung ist nicht zwingend.

Der freie Wille
Ein freier Wille muss etwas sein, was selber nicht durch andere Faktoren festgelegt ist. Vielmehr ist es etwas, was selber andere Dinge festlegt. Somit werden Wesen mit einem freien Willen selber zu „kleinen Göttern“ auf der Erde – die in einem bestimmten Rahmen frei handeln können. Ein freier Wille kann das Kausalitätsprinzip von Ursache und Wirkung durchbrechen.
Kann man von einer Vorherbestimmung durch einen Auslösefaktor sprechen, wenn man selber nicht nachvollziehen kann, wie ein Auslösefaktor zu einer bestimmten Handlung führt? Dies ist offensichtlich der Fall bei den komplexen Zusammenhängen des Lebens (so z. B. die Frage, wie der frühe Tod des Vaters sich auf die Konzentrationsfähigkeit von XY im Beruf ausgewirkt hat).
Können wir beeinflussen, welche Zwänge uns steuern sollen? Das wäre eine Freiheit – wenn auch keine absolute. So wären verantwortlich für unsere Handlungen, weil es für uns eine Alternative gäbe, einen anderen Zwang zu wählen, der uns steuern soll.

Was beeinflusst den Menschen bei seiner Handlung?

  • Seine äußeren Umstände (z. B. Wetter)
  • Seine inneren Umstände (z. B. Hunger)
  • Seine eigene „Logik“ nach der er handelt und mit der er Umstände verarbeitet (Ergebnis in gleichen Situationen unter gleichen Umständen handeln Menschen verschieden) Zur kulturellen Beeinflussung

Hat der Mensch keine Freiheit, weil jede Entscheidung von der Kultur vorgegeben wird?
Dazu muss man allerdings folgendes berücksichtigen: Dieselbe Kultur kann zu verschiedenen Entscheidungen führen, da die Kultur, die auf einen Menschen einwirkt, vielschichtig ist.

Freiheit durch Selbstbeurteilung
Die Tatsache, dass der Mensch sich selber beurteilen kann, zeigt dass er frei ist: Er kann einen Standpunkt außerhalb seiner selbst einnehmen und sein eigenes Handeln werten.

~ von Erasmus der Geist am Freitag, 2. Mai 2008.

Einen Kommentar schreiben