Wie viel mutet einem Gott zu?

Nicht selten hört man die Aussage unter Christen: “Gott mutet einem immer gerade so viel zu, wie man auch tragen kann”. Wie kann es aber dann sein, dass – auch unter Christen – so viele scheinbar unter ihrer Last zusammenbrechen – sei es nun körperlich oder seelisch?

Das Problem

Diese Frage ist nicht keine theoretisierende Spekulation. Sie entsteht nicht durch tiefes Nachdenken über das Wesen des Lebens an sich. Nein, sie entsteht aus der tiefen Verzeiflung, die Christen in ihrem leben erfahren!

Nun gibt es einige Stellen in der Bibel, die tatsächlich oft benutzt werden, um zu zeigen: “Gott lässt dich nie im Stich. In der Not wird er dir immer helfen und Kraft geben.” Hier eine Auswahl:

  • Mt 11,28-30: Jesus nimmt einem die Lasten ab, wenn man zu ihm kommt.
  • 1Kor 10,13: Gott wird uns nicht über Vermögen hianus versuchen.
  • Röm 8,28: Alle Dinge (alles, was uns passiert) dient uns zum Guten.
  • Mt 6,33.34: Gott wird die Menschen versorgen, die sich zuerst nach seinem Reich ausrichten.

Nun zur Schlüsselfrage: Wie soll man diese Stellen einordnen und erklären?

Ich verstehe alle diese Aussagen als Prinzipien des Handelns Gottes, die

  1. Grundsätzlich gültig sind, die aber dennoch
  2. in unserer Wahrnehmung immer auch Ausnahmen haben werden.

Damit sind nicht die Aussagen der Bibelstellen und der darin formulierten Prinzipein widerlegt, sondern lediglich ein bestimmtes Verständnis, das wir davon haben. Nämlich: Wir müssen in jedem Einzelfall (noch in dieser unserer Lebenszeit) erkennen können, dass diese Prinzipien Gottes sich bei jedem Christen erfüllen.

Es gibt aber verzweifelte Christen. Christen, die an Versuchungen zerbrechen. Christen, die Dinge erleben, die man auch mit viel Abstand nicht als gut bezeichnen kann. Missonare sind verhungert, etc. An der tatsächlichen Existenz solcher Chrísten kommt niemand vorbei.

Weil das so ist, begegnen einem dann meist zwei Standarderklärungsschemata, um Gottes Prinzipien zu “retten”.

  1. Der Christ ist das Problem, er glaubt nicht richtig, deshalb erlebt er die Bedrückung.
  2. Wir können den Sinn im Handeln Gottes jetzt noch nicht erkennen, aber es wird der Tag kommen, an dem wir es können.

Auf der anderen Seite gibt genauso viele Christen, die die Wirklichkeit dieser Prinzipien in der einen oder anderen Weise in ihrem Leben erfahren. Auch das ist zunächst mal eine Tatsache.

Meine vorsichtige Lösung
Ich persönlich glaube, dass man Gott nicht “durch seine Verheißungen gefangen nehmen kann” - in dem Sinne: “Du hast gesagt, also musst du auch und darfst nicht anders.” Damit macht man sich selber zu Gott. Genauso sollte man vorschnelle Erklärung sein lassen, mit denen man versucht zu zeigen, wie ein bestimmtes Leiden einem höheren Zweck Gottes dient. Und erst Recht sollte man sich 70*7 mal überlegen, wann man einem Leidenden den Vorwurf macht, nicht genug zu glauben.

~ von Erasmus der Geist am Freitag, 2. Mai 2008.

3 Antworten to “Wie viel mutet einem Gott zu?”

  1. Dein Blog wirft Fragen auf. Im Überfluss seiner Segnungen längst Vergessene. Aus Zeiten in denen jeder Tag auf der Seele brandte.

    Eine Überlegung dazu:
    Kann ein allwissender, allmächtiger Gott ein System mit Begrenztheiten schaffen, in dem er selbst existiert? Verliert er dadurch nicht seine Allmacht und seine Allwissenheit? Die Frage ist ja, ob wir es Gott zutrauen, dass er sich seinen eigenen Regel unterwirft und an den Stellen wo das Transzendente über jenen Rand schwappt beweist, dass er Gott ist :)

    Liebe Grüße,
    Tetzel

    _____________________
    “Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt”

  2. @Tetzel: Wenn man versucht, darüber nach zudenken, was der Begriff “Gott” überhaupt bezeichnet, kommt man zwangsläufig zu der Aporie, die du beschreibst. Allerdings scheint mir ein Teil des Problems ein nicht ausreichend reflektierter Umgamg mit den Begriffen “Allmacht”, “Allwisenheit”, “Allgegenwart” und “Ewigkeit” zu sein. Meine These ist, dass das, was mit diesen Begriffen bezeichnet werden soll, für den Menschen schlichtweg nicht denkbar ist. Wir können sie uns nur über unsere eigene menschliche Verfasstheit erschließen.

    So können wir uns z.B. Ewigkeit immer nur als unendlich lange Zeitfolge vorstellen. In Bezug auf Gott wird dann oft geschlussfolgert, dass er außerhalb aller Zeit sein müsse, wenn er ewig sei. Doch wie will man begründen, dass ewig das genaue Gegenteil zu zeitlich ist? Es könnte auch sein, dass ewig bedeutet, sowohl in der Zeit als auch außerhalb von Zeit existieren zu können – also eine Oberkategorie ist (was dann auch immer “außerhalb der Zeit bedeuten mag).

    Damit wollte ich nur zeigen, das Begriffe wie “ewig” schnell als fest umrissene Größen behandelt werden, aus denen man dann etwas über Gott schlussfolgern will; in Wirklichkeit sind es jedoch lediglich Chiffren für etwas, von dem man eigentlich nur weiß: Es ist viel mehr und ganz anders als alles, was ich als Mensch kennen und erfahren kann. Aber in welcher logischen Relation dieses “Mehr und Anders” zu unserem menschlichen Verständnis steht, bleibt im Dunkeln.

    Um meine These zuzuspitzen: Wir wissen eigentlich nicht genau, was wir meinen, wenn wir sagen: Gott ist allmächtig oder allwissend. Wir stellen uns Gott dann wie einen Menschen vor, der sehr sehr mächtig ist und sehr, sehr viel weiß. Was aber wahre Allmacht ist und wie in ihrer Umsetzung aussieht, bleibt uns im Wesentlichen dennoch verschlossen.

    Der einzige Ansatzpunkt bleibt für mich der, Gott über seine Selbstoffenbarung in Christus zu begreifen – denn nur hier ist Gottes komplexes und uns meist unzugängliches Wesen in eine menschlich verständliche “Sprache” übersetzt.

  3. Wie viel mutet Gott einem zu ?
    Ihr denkt , Gott hat den Menschen erschaffen damit der Mensch Gott dient !?
    Eines Tages werdet ihr entdecken , daß ihr Gott erschafft , damit er euch dient .
    Falsche Vorstellungen von und über sich selbst
    lassen einen das Leben eher erleiden als erleben .
    Und das ist es , was Gott einem läßt/zumutet ,
    falsche Vorstellungen .

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