Ist das Alte Testament symbolisch gemeint? (Teil 2)

Nachdem ich das, was im 1. Teil des Posts steht geantwortet hatte, bekam ich folgende Rückfrage:

“Ich habe jetzt nur ein Problem: Wenn ich das AT eher symbolisch interpretiere, dann bin ich ganz schnell an dem Punkt, wo ich alle Stellen der Bibel, die mir nicht gefallen, ebenfalls symbolisch interpretiere, zumal sich das NT ja auch recht oft aufs AT bezieht.”

Auch hier wieder mein Antwortversuch:

Das ganze AT symbolisch zu interpretieren ist ein sehr radikaler Ansatz, den die wenigsten so durchziehen. Meist sieht der Zugang zum AT in der heutigen Forschung ungefähr so aus: Man muss zwischen historischen Tatsachen und Fiktion der aus dem Exil zurückgekehrten Juden trennen. In dem Sinne ist es keine willkürliche symbolische Auslegung des AT. Vielmehr ist es eine “Entfiktionalisierung” und “Entmythologisierung” die stattfindet. Man versucht bei allen Texten des AT den archäologisch belegbaren Kern herauszufinden – undzwar meist nach sehr komplizierten Methoden.

Die meisten liberalen AT-Forscher würden sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, dass man das AT nur symbolisch verstehen sollte. Sie würden sagen: Man muss erkennen, was Fiktion ist und in welcher Situaution diese Fiktion aus welchen Gründen von den Juden geschaffen wurde. Erst dann hat man den richtigen Zugang zum AT.

Dementsprechend kann man auch in diesem Ansatz nicht nach Belieben die Stellen als “symbolisch” einordnen, die einam nicht so passen.

~ von Erasmus der Geist am Samstag, 3. Mai 2008.

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