Das Wollen
Folgender Gedankengang ist eine freie Wiedergabe von Ausführungen des Berliner Theologen Prof Dr. Notger Slenczka, die im Sommersemester 2008 im Rahmen einer Dogmatik-Vorlesung vorgetragen wurden. Dabei erläuterte er Martin Luthers Beschreibung der anthropologische Verfasstheit – konkret zugespitzt auf die Frage des menschlichen Wollens.
Das Wollen des Menschen ist für ihn unverfügbar. Ein Mensch kann sich wünschen, anders zu wollen – aber er kann sein Wollen nicht einfach ändern.
Er kann sein Wollen verdrängen, unterdrücken und ihm bewusst etwas entgegenhalten – aber der Mensch kann nicht verhindern, dass dieses Wollen im Hintergrund stets vorhanden bleibt und jederzeit wieder hervorzubrechen droht.
Die Einsicht, dass der Mensch nichts tun kann, um zu Gott kommen zu wollen, anstatt sich von ihm abzuwenden, ist eine der Grundeinsichten Martin Luthers. Dieses Wollen kann der Mensch nicht „machen“ – so sehr er sich auch wünschen mag „anders zu wollen als er derzeit will“. Ein neues verändertes „Wollen zu Gott hin“ kann dem Menschen nur durch Gott geschenkt werden – und bleibt daher völlig unverfügbar.

Halte ich nach wie vor für Unfung.
Das Luther, als Katholik, sich das Denken Augustinus angeeignet hat, überrascht kaum.